Presseartikel:  
Artikel von Adax Dörsam in der Fachzeitschrift "Akustik Gitarre": Ausgabe 2/10:
World of Strings
Saz Baglama
  Ausgabe 3/10:
World of Strings
Guitarra Portuguesa
  Ausgabe 6/10:
World of Strings
Die Balalaika
  Ausgabe 1/11:
World of Strings
Fusion Sitar
  Ausgabe 2/11:
World of Strings
Tres Cubano
  Ausgabe 4/11:
World of Strings
Charango
  Ausgabe 6/11:
World of Strings
Domra
  Ausgabe 1/12:
World of Strings
Das Shamisen
das Buch:
 
   
  Bis irgendwann meine Autobiographie erscheint, gibt es zur Erquickung ab und an eine kurze Geschichte!  
     

Der Trommelwirbel 1981
Wir spielten am Nationaltheater Mannheim die Dreigroschenoper. Pianist und zugleich Chef unseres Orchesters war der Tausendsassa Franz Wittenbrink. Der lustige Franke Willi Haselbek bediente die Posaune, der alte Hase Ralf Dietze schlug die Trommeln, die Querflötistin Cornelia strickte wann
immer sie konnte. Martin Bärenz basste und neben zwei Studenten an Klarinette und Trompete
spielte ich das Banjo. Nach ungefähr 80 Aufführungen war die Atmosphäre sehr locker und einige nutzten unsere Spielpausen zum Lesen, Häkeln oder kurzen Ausflügen in die Kantine.
Mir war das zu riskant, ich blieb lieber in Position, es konnte ja mal was Unvorhergesehenes
passieren. Und so saß ich ziemlich vereinsamt im Orchestergraben und ergötzte mich an den Brecht`schen Finessen als mir auffiel, dass das Stichwort für einen Trommelwirbel unaufhaltsam näherrückte.
Von Ralf keine Spur, wahrscheinlich war er in der Kantine um Erfrischungen zu sich zu nehmen.
Es ratterte in meinem Kopf: Was tun, wenn er nicht kommt? Jetzt hörte ich eilige Schritte in Kellergang. Aber es war zu spät, das konnte er nicht mehr schaffen. Ich setzte mich auf den Schlagzeugerstuhl, nahm die Stöcke in die Hand und da fiel auch schon das Stichwort.
Der erste Trommelwirbel meines Lebens kam laut und stockend, ich erschrak vor mir selber:
Ein laienhaftes Gestochere auf der kleinen Trommel, weit entfernt von Ralfs Spielkunst.
Man spürte die Verunsicherung der Schauspieler. Zum Glück konnte mich im Orchestergraben
keiner sehen. Trotzdem schämte ich mich. Nach der Vorstellung gab es Riesenärger,
die Schauspieler beschwerten sich in Unkenntnis der Sachlage heftig bei Ralf.
Ob er betrunken gewesen sei oder sie provozieren wollte. Von unprofessionellem Verhalten und Sabotage war die Rede. Ralf war ein stolzer Musiker, die Schelte traf ihn empfindlich in seiner Berufsehre. Aber er musste die Prügel für mich einstecken. Hätte er seine Absenz zugegeben,
wäre er rausgeflogen. Und so konnte ich mich in dem Gefühl sonnen, durch mein beherztes
Eingreifen einen Kollegen vor dem Rausschmiss bewahrt zu haben,
während dieser die Konsequenzen zu tragen hatte und mir noch dankbar sein musste.
Wie schön!